Wer hat an der Uhr gedreht?? …Zeitumstellung, mal wieder

Was früher vielleicht mal einfach nur einmal im Jahr ein bisschen genervt hat (natürlich nur, wenn die Uhren vorgestellt werden und mir eine Stunde Schlaf geklaut wird), stellt sich mit einem kleinen Kind als eine halbjährliche Belastungsprobe dar. Und es ist ja auch super-unnatürlich. Warum machen wir das eigentlich??

 

Erst einmal: die künstliche, also „verstellte“ Zeit ist die Sommerzeit, in der wir uns seit heute befinden. Die Winterzeit ist also die normale. Wikipedia zeig in einer schönen Grafik, wo überall Sommerzeit herrscht und wo nicht (erstaunlich viel Sommerzeit auf der Welt):

Karte der Staaten mit Sommerzeit. Die blauen Länder benutzen (noch) Sommerzeit.
Staaten mit Sommerzeit, die blauen Länder benutzen (noch) Sommerzeit. Quelle: Wikimedia. Urheber: Paul Eggert (creative commons).
Ursprünglich wurde die Umstellung wohl eingeführt, um Energie zu sparen, weil man dachte, man spart an der Beleuchtung. Allerdings war das schon immer zweifelhaft – vor allem, weil doch ja im Sommer gerade die Sonne früher auf- und später untergeht und damit sowieso insgesamt länger scheint als im Winter. Warum sollte man also überhaupt in diesem Zeitraum mehr Lampen anmachen? Hm. Das wichtigere Argument war wohl, die Zeitzonen Europas zu vereinheitlichen. Dann hätte man natürlich auch gleich die Sommerzeit links liegen lassen können, aber der (Bürokraten-)Mensch ist eben ein Gewohnheitstier und die Zeitumstellung schon lang eingeführt…

Warum hier?

Ok, komisches Thema vielleicht für einen Koch- und Küchenblog, oder? Tja, es geht mir darum, dass neben den (kleinen) Menschen auch die Tiere, von denen wir im Alltag zwar meist nur indirekt, aber doch ziemlich abhängig sind, auch diese Zeitumstellung mitmachen müssen. Ich rede von den klassischen Haustieren: Kühe, Schweine, Hühner, etc. Bei industriell gehaltenen Hühnern ist das Tagesrhythmus- bzw. Beleuchtungsthema noch ein ganz anderes. Wir gaukeln ihnen den ewigen Frühling und Sommer vor, damit sie ganzjährig Eier legen. Vielleicht dazu irgendwann einmal mehr. Die Kühe jedoch, die ja fast dauerstillend gehalten werden, sind darauf angewiesen, dass ihre Euter zu bestimmten Tageszeiten leergepumpt werden, da ihre Kälber diesen Vorgang ja nicht mehr übernehmen dürfen. Und wenn das eine Stunde später geschieht als normalerweise, kann das sehr schmerzhaft werden. Also versuchen die viele Landwirte schon, die Zeitumstellung wenn nicht schonend über zwei Wochen, dann wenigstens auf zwei Tage zu verteilen.

weitere Argumente gegen die Sommerzeit

  • Vielleicht ein etwas komisches Argument: das der vergessenen Uhren. Ganz ehrlich, wer kennt das nicht? Meine Schwiegermutter hat gleich zwei davon, die erste ist die Backofenuhr (wahrscheinlich kann das Ding bis heute keiner ohne Bedienungsanleitung umstellen) und das zweite die schicke Designeruhr im Wohnzimmer. Je-des-mal wenn ich auf diese beiden Uhren schaue, bin ich verwirrt. Abgesehen davon, dass diese halbjährliche Uhrenumstellerei bei nicht-digitalen Uhren auch echt einfach unnötig ist.
  • Dass durch die Umstellung Energie gespart wird ist Quatsch. Wenn überhaupt Privathaushalte weniger Lampen anmachen, wird dieser Effekt durch höhere Heizkosten (frühmorgens ist es eben zwar hell, aber am kältesten) zunichte gemacht. Mit Energiesparlampen oder LEDs allemal. Und die meisten Menschen arbeiten entweder zu Zeiten, in denen es im Sommer sowieso hell ist (und auch ohne Sommerzeit wäre), oder im Schichtdienst, wo die 24h des Tages abgedeckt werden müssen – da macht es also keinen Unterschied.
  • Der kleine Jetlag, der uns alle befällt beim Eintritt in die Sommerzeit, ist eine alljährlich erneute Nerverei. Besonders, wenn man sich überlegt, dass der sogenannte Grund-Biorhythmus des Menschen zwischen 23,5 und 25 Stunden schwankt – also wir eher für den 25-Stunden-Tag gemacht sind als für einen, der kürzer ist, als die 24 Stunden, die wir haben. Verschiedene Forscher haben jedenfalls herausgefunden, dass die Zeitumstellung schädlich für uns sein kann (die ZEIT berichtet u.a. von vermehrten Herzinfarkten). Kleine Kinder, die sich erst noch an den Unterschied von Tag und Nacht gewöhnen müssen, geraten völlig aus dem Konzept. (Und ganz ehrlich, als junge Eltern braucht man dieses Problem nicht auch noch.) Von Leuten mit Schlafstörungen mal nicht zu sprechen.
  • Die Bürokratie, die damit verbunden ist, dass nachts zwischen 2 und 3 Uhr eben doch manches passiert, weil eben nicht jeder schläft (Züge fahren, Leute arbeiten in Schichtarbeit, Unfälle passieren). Dort  gibt es verschiedene Lösungsstrategien: Züge haben automatisch eine Stunde „Verspätung“ bei der Umstellung auf Winterzeit und bei der Sommerzeitumstellung muss darauf geachtet werden, dass es ein „2 Uhr A“ und „B“ gibt.  und oft müssen extra andere Dienstpläne geschrieben werden. Ein Riesenaufwand also.

Übrigens, 2009 wurde schon einmal versucht, die Zeitumstellung abzuschaffen. Dagegen sprach: Alle anderen machen es doch auch so…!

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