Kochtrend: Clean eating

Schon mal von „Clean eating“ oder „Clean cooking“ gehört? ‚Clean‘ heißt in erster Linie natürlich sauber – hat aber mit gescheuerten Töpfen wenig zu tun (die würde man hoffentlich bei jedem anderen Kochstyle auch spülen…). Vielmehr soll ‚clean‘ in diesem Zusammenhang auf die Reinheit der Zutaten anspielen – es ist also so ein bisschen die straight-edge-Version des Kochens.

 

Aber worum geht es nun genau und warum ist es interessant? Ich würde sagen, es ist der letzte dicke Ernährungstrend, der nun auch in Deutschland in den letzten Jahren immer mehr Anhänger gefunden hat. Natürlich sind die Amis uns voraus – Tosca Reno hat schon vor circa 10 Jahren den Begriff Clean eating geprägt und ist seitdem als Clean-eating-Bodybuilding-Guru in Kalifornien und dem Rest der Welt unterwegs. Okay. Soweit, so Ami-mäßig over the top.

Der Grundsatz vom Clean-eating-Konzept jedoch, gesunde, frische, natürliche, möglichst unverarbeitete Zutaten selber zuzubereiten, ist ja eigentlich nix Neues unter der Sonne. Man denke an die Müsli-Birkenstock-Ökos der 80er. Mittlerweile hat sich aber auch die Biobranche teilweise sehr weit von ihrem ursprünglichen Gedanken weg bewegt – einfach, weil sie ein größeres Publikum ansprechen möchte. So gibt es mittlerweile auch im Biobereich sehr stark bearbeitete Lebensmittel mit Zusatzstoffen zu kaufen. Beim Clean eating ist aber einer der Hauptpfeiler des Konzepts, soweit wie möglich auf Convenience zu verzichten.

Convenience?

Es lohnt sich an dieser Stelle, sich einmal genau anzuschauen, was ‚Convenience‘ eigentlich bedeutet. Die englische Übersetzung weist darauf hin, dass man es sich mit derlei Lebensmitteln ‚bequem‘ oder auch ‚einfach‘ macht. In der Lebensmittelbranche gibt es mehrere Abstufungen von Convenience-Produkten. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft unterscheidet 5:

  1. küchenfertige Lebensmittel: entbeintes, zerlegtes Fleisch,geputztes Gemüse
  2. garfertige Lebensmittel: Filet, Teigwaren, TK-Gemüse, TK-Obst
  3. aufbereitfertige Lebensmittel: Salatdressing, Kartoffelpüree, Puddingpulver
  4. regenerierfertige Lebensmittel: einzelne Komponenten oder fertige Menüs
  5. verzehr-/tischfertige Lebensmittel: kalte Soßen, fertige Salate, Obstkonserven, Desserts.

An dieser Liste sehen wir schon, dass es nicht einfach Fertig- und frische Produkte gibt. Was ist zum Beispiel Mehl? Da wurde ja schließlich auch das Korn für uns gewaschen, gemahlen, das Mehl gesiebt und ggf. von der Kleie befreit. Auch ein Vollkornmehl ist also gewissermaßen ein Convenience-Produkt.

Produkt-Labels sind teils irreführend

Klar hat die Lebensmittelindustrie diesen Trend natürlich auch verstanden und will daran mitverdienen. Deshalb (und wegen der steigenden Anzahl an Menschen, die sich bewusst sind, dass sie gewisse Intoleranzen und Allergien haben) sind auch gerade Produkte „in“, die laktosefrei, zuckerfrei und sonstwas-frei sind. Allerdings sollte man hier genau darauf achten, was man gerade in der Hand hält: Zuckerfrei heißt nicht, dass kein Süßstoff benutzt wurde. Und viele Dinge, wie z.B. Hartkäse, sind von Natur aus laktosefrei. Nur stand es eben früher nicht auf der Packung. Jetzt dienen diese Labels häufig eben auch dazu, einen höheren Preis zu rechtfertigen.

Clean eating umsetzen

Wer den Clean-eating-Trend also einmal ausprobieren möchte, sollte darauf achten, möglichst keine Fertigprodukte zu kaufen, Zusatzstoffe wie Farben, Aromen, Stabilisatoren oder Konservierungsstoffe zu vermeiden, kein weißes Mehl und keinen (weißen) Zucker zu benutzen und möglichst auch keine Produkte aus Massentierhaltung. Neben diesem Hauptgedanken sollte man ausreichend trinken (KEINEN Alkohol), jeden Tag mit einem Frühstück beginnen, mehrere kleinere Mahlzeiten statt nur einigen großen zu sich nehmen und sich generell ausgewogen ernähren.

Einige Clean eaters vertreten übrigens eine noch strengere Variante, die auch ohne Gluten und Milch(-produkte) und mit wenig Salz auskommt. (Manche unterscheiden auch zwischen „guten“ und „schlechten“ Fetten.) Da wird’s dann schon wieder ganz schön schwierig, finde ich… Aber das ist ja dann auch Clean eating für Fortgeschrittene.

Praktische Tipps

Nun ist es aber den Meisten nicht möglich, wirklich immer alles selbst herzustellen. Ich denke, es entspricht dem Clean-eating-Gedanken schon, wenn man versucht, möglichst viel frisch zuzubereiten und den Rest aus den beiden ersten Convenience-Produkt-Stufen zu beziehen. Dann wird das Ganze auch etwas praktikabler. Ein weiterer, einfacher Schritt ist es, einfach mal die Zutatenliste von (Fertig-)lebensmitteln zu lesen. Wenn im Brot nur Hefe, Wasser, Salz und Mehl ist, ist es fast genauso gut wie selbst gebackenes. Wenn man allerdings schon länger als eine Minute braucht, um alle Zutaten überhaupt zu lesen (geschweige denn zu verstehen, was das alles ist), dann sollte man das Produkt lieber im Regal lassen. Ist ne ganz gute Regel finde ich, und auch sehr alltagstauglich.

Für Berufstätige, die es vielleicht nicht schaffen, jeden Tag frisch zu kochen, bietet es sich vielleicht an, ‚batches‘ vorzubereiten (das ist übrigens schon wieder ein eigener Trend – Nutrition Stripped erklärt, was batch cooking ist und in der Huffington Post gibt’s ein paar batch-cooking-Regeln zum Nachlesen). Hier ein paar Ideen:

  • Pizza- oder Flammkuchenteig kann man in der 5fachen Menge zubereiten und fertig ausgerollt einfrieren. Dann muss man sich nur noch um den Belag und vielleicht einen Salat dazu kümmern.
  • Marmelade, Pickles, Soßen oder Chutneys in kleine Gläser selbst einkochen und in der Vorratskammer lagern.
  • Einige Müslisorten selber machen. Supereinfach, superlecker. Hält ewig in der Vorratskammer.
  • Kuchen und Brot gleich doppelt backen und einen portioniert einfrieren.

Für diesen Kompromiss braucht man allenfalls Platz in der Speisekammer und eine größere Kühltruhe. Manche Clean-eating-Fans werden jetzt aufschreien und sagen, dass das Essen ja dann auch nicht mehr wirklich superfrisch ist. Ich finde aber, es ist ein prima Kompromiss – man weiß genau, was in den Speisen drin ist und muss nicht seine komplette Freizeit mit Nahrungszubereitung verbringen. Außerdem kann man so prima auf die Saisonalität der Ware eingehen und die besten Tomaten dann kaufen, wenn sie im Überangebot und billig zu haben sind.

Was einer jungen Mutter übrigens auffällt, ist, dass die Beikost- und Ernährungsempfehlungen für Säuglinge und Kleinkinder von Medizinern, dem FKE oder von IN FORM fast zu 100% mit dem Clean-eating-Konzept überein stimmen (außer, dass Fertiggläser nicht verurteilt werden). So schlecht kann’s also nicht sein. 😉

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